Verlegung des Gartens zur Pfingstweide

Blick über den Weiher, Foto von 1878

Schon lange vor dem Ablauf des Pachtvertrages wurde deutlich, dass sich ein Zoologischer Garten in Frankfurt dauerhaft tragen könnte. Frühzeitig nahm daher die Zoologische Gesellschaft mit dem Senat der freien Stadt Frankfurt Kontakt auf, um ein Grundstück, auf dem dauerhaft ein Zoologischer Garten betrieben werden konnte, zu kaufen oder langfristig zu pachten. 1865 kam es zwischen dem Senat der freien Stadt Frankfurt und der Zoologischen Gesellschaft zu einem Vertrag. Nur ein Jahr später brach ein kurzer Krieg zwischen Preußen und Österreich aus, bei dem Frankfurt von Preußen annektiert wurde und seine Selbständigkeit verlor. Die bisherige Stadtregierung wurde aufgelöst und eine neue gegründet, mit der neue Verhandlungen geführt werden mussten. Doch der Krieg hatte der Zoologischen Gesellschaft und vielen Zoofreunden auch finanziell geschadet. Beides waren keine guten Voraussetzungen für den geplanten Neustart. Immerhin gelang es 1867, den Pachtvertrag um fünf Jahre zu verlängern.

Erst als 1873 der Pachtvertrag erneut auslief und nicht mehr verlängert werden konnte, kam es zu einer Einigung über ein neues Zoogelände auf der Pfingstweide östlich der Stadt – übrigens dasselbe Gelände, auf das sich der Senat der damals noch freien Reichsstadt Frankfurt und der Verwaltungsrat der Zoologischen Gesellschaft bereits 1865 geeinigt hatten.

Trotz allen Bemühungen gelang es in der Kürze der Zeit nicht, das neue Zoogelände bis Ende 1873 bezugsfertig einzurichten, daher räumte das Städel’sche Institut noch eine Quartalverlängerung ein.

Während man bei der Anlage des Zoologischen Gartens im Leers’schen Garten auf vorhandene Gebäude und eine Gartenanlage zurückgreifen konnte, musste für den neuen Zoologischen Garten auf der Pfingstweide erst eine Gartenanlage geplant werden. Zwei Standortvorgaben galt es, bei den Planungen zu berücksichtigen.

1. Die Zoologische Gesellschaft hatte sich verpflichtet, ein repräsentatives Gesellschaftshaus zu bauen, das den Abschluss einer Prachtstraße von der Innenstadt zum Zoologischen Garten bilden sollte. Von der Terrasse auf der Rückseite sollte ein besonders eindrucksvoller Blick in den Zoologischen Garten möglich sein.

2. Es gab nur einen Brunnen mit genügend Wasser, zu dessen Nutzung und Verteilung ein Maschinenhaus sowie ein Wasserturm nötig waren. Beides lag in Sichtweite des Gesellschaftshauses, so dass eine Lösung gefunden werden musste, um diese Nutzbauten den Blicken der Zoogäste zu entziehen.

Der Zeitgeschmack und der Wunsch nach einem Aquarium bildeten den Lösungsansatz für das Problem. Um überhaupt Meerestiere halten zu können mussten in den einzelnen Aquarien konstante Temperaturen herrschen, das konnte nur durch eine gute Isolierung erreicht werden. Deshalb sollte für die Aquarien ein Aquarienbau mit besonders dickem Mauerwerk entstehen. Der Zeitgeschmack wiederum schrieb für einen Landschaftsgarten einen Weiher mit angrenzendem Berg vor. Der Aquariumsbau und der Weiher wurden zwischen Maschinenhaus und Gesellschaftshaus errichtet, wobei der Erdaushub für den Weiher das Aquariumsgebäude verdeckte und so einen Berg bildete. Dem für die Verteilung des Wassers benötigten Wasserturm gab man die Gestalt einer Burgruine und platzierte ihn so, dass er den Schornstein des Maschinenhauses verdeckte.

Der Pachtvertrag für den Leers’schen Garten lief Ende 1873 aus, so dass der Bau des Zoologischen Gartens unter einem enormen Zeitdruck erfolgte. Die hohen Kosten für Baumaterial und die durch die beiden vorangegangenen Kriege (1866 Preußen/Österreich und 1870/71 Deutschland/Frankreich) sowie den verlängerten Pachtvertrag (als Folge des Krieges von 1866) angespannte finanzielle Lage der Zoologischen Gesellschaft führten zu einer aus heutigen Sicht merkwürdigen Entscheidung: Einfriedungen, Gitterwerk und die von der Zoologischen Gesellschaft errichteten Gebäude im Leers’schen Garten wurden dort abgebrochen und auf dem neuen Zoogelände wieder aufgebaut – teilweise in anderer Form, um die Tierhaltung entsprechend den gewonnen Erfahrungen zu verbessern. Auch während dieser Umzugs- und Umbauphase galt es, den Bedürfnissen der Tiere weitgehend gerecht zu werden und diese mittels Notunterkünften vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de