Tiersammlungen zur Bildung

Haus für Strauße und deutsche Vögel

Ab 1888 änderte sich die Zoophilosophie: Während sich die Zoodirektoren Dr. Max Schmidt und Dr. Ludwig Wunderlich gemäß den auch in der Denkschrift von 1858 formulierten Zielen bemühten, die Tiere entsprechend ihren Bedürfnissen zu halten und zu züchten, hielt es Zoodirektor Dr. Wilhelm Haake für wichtiger, den Zoobesuchern eine möglichst vollständige Übersicht aller Lebensformen zu zeigen. Zwar ließ der finanzielle Spielraum noch immer keine größeren Änderungen zu, doch ein wenig verbesserte sich der finanzielle Rahmen, so dass Renovierungsarbeiten zu Umbaumaßnahmen genutzt werden konnten. Besonders deutlich zeigte sich die geänderte Zielsetzung am Beispiel des Affenhauses, dessen ursprünglich drei Innenräume mit Durchbrüchen verbunden wurden, um so Platz für die Aufstellung einer zweiten Käfigreihe zu gewinnen. Auch Bepflanzungen wurden zugunsten neuer Käfige aufgegeben, wie das hohe Pflanzenbeet zwischen Raubtier- und Affenhaus; an dessen Stelle ein Kleinsäugerrondell entstand. Die dort untergebrachten tropischen Kleinsäuger überwinterten in der zweiten Käfigreihe im Affenhaus. Während der Sommermonate, wenn sich die Affen in den Außenkäfigen und die tropischen Kleinsäuger im Kleinsäugerrondell aufhielten, fand eine Reptilienausstellung in den Innenräumen des Affenhauses Platz.

1891 fand in Frankfurt am Main eine Elektrische Ausstellung statt, ein dort als Zeichnungshalle dienender Bau wurde nach Abschluss der Ausstellung von der Zoologischen Gesellschaft erworben und 1892 als Vogelhaus eröffnet. Eine Hälfte des Vogelhauses erhielt Ausläufe und wurde mit Straußenvögeln besetzt, in der anderen fand eine Sammlung einheimischer Vögel bestehend aus 229 Individuen in 87 Arten Platz. Obwohl Dr. Haacke unter anderem durch die Abschaffung von Schlafboxen dafür Sorge trug, dass die Tiere immer zu sehen waren, kamen seine Sammlungen bei den Zoobesuchern nicht gut an.  

Auch der nächste Zoodirektor, Prof. Dr. Adalbert Seitz, war ein Sammler, wobei ihm die unterschiedlichen Erwartungen von Zoologen und Zoobesuchern an Zoologische Gärten bewusst waren. Um das Interesse der Besucher zu erhalten, legte er Wert auf attraktive Schautiere und eine verbesserte Beschilderung.

 

Blick ins Kleinsäugerhaus, Foto von 1936

Vor allem mit drei Einrichtungen ist sein Name fest verbunden:

Das Kleinsäugerhaus war als reiner Zweckbau konzipiert und bestand sowohl innen als auch außen aus zwei Reihen Käfigen, von denen jeder  1x1x1 Meter groß war. Die Einzelkäfige konnten bei Bedarf sowohl seitlich als auch in der Höhe durch das Herausnehmen von Zwischenwänden vergrößert werden. Das Kleinsäugerhaus bestand lange. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es zunächst wieder hergerichtet und erst 1971 abgerissen.

 

Tierpfleger in der Reptilienhalle nach dem Umbau von 1908, Foto von 1912

Neue Maßstäbe in der Reptilienhaltung setzte die 1904 auf dem Dach des Aquariums errichtete Reptilienhalle, denn bis dahin zeigte man Reptilien in den relativ dunklen Innenräumen des Affenhauses. Die neue Reptilienhalle erlaubte aufgrund ihrer Gewächshausbauweise, die Reptilien der Sonne auszusetzen, Heizungen sorgten im Bedarfsfall für zusätzliche Wärme.

 

 

Schmetterlingsausstellung im Insektenhaus, Foto von 1911

Auch das ebenfalls 1904 eröffnete Insektenhaus war ein Novum, da es neben lebenden Insekten Präparate zeigte und Schautafeln über das komplexe Leben der Insekten informierten. Auch nach der Aufgabe des Insektenhauses blieben den Besuchern des Zoologischen Gartens Insekten erhalten:

zunächst als Insektenschau im Deutschen Vogelhaus, dem eine Schädlingsabteilung mit Beratungsstelle angegliedert war und seit 1957 im Exotarium, das nach dem zweiten Weltkrieg entstand.

 

Wie es im Zoo zwischen 1878 und 1912 aussah, verrät unsere kleine Fotoshow.

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de