Der Zoo wird städtisch

Vogelhaus, Foto von 1909

Der junge Zoologe Dr. Kurt Priemel, der 1907 als Assistent im Zoologischen Garten Frankfurt anfing und ein Jahr später dessen Zoodirektor wurde, suchte einen Kompromiss zwischen Besucherbildung durch möglichst vollständige Tiersammlungen und einer an die Bedürfnisse der Tiere angepassten Tierhaltung. Wo immer es räumlich und finanziell möglich schien, kehrte Natur in die Gehege ein, wurden Tiere entsprechend ihrer natürlichen Lebensweise einzeln, in Paaren oder in Gruppen gehalten. Auch bei der Vergesellschaftung verschiedener Tierarten achtete man nun darauf, dass diese zusammen passten. Darüber hinaus legte Dr. Priemel Wert auf einen persönlichen Umgang der Tierpfleger mit den Tieren, durch den diese relativ zahm wurden und auch außerhalb der Tierbehausungen gezeigt werden konnten.

Weil sich längst gezeigt hatte, dass das Zoogelände viel zu klein war, kamen 1908 Überlegungen zu einem erneuten Umzug des Zoologischen Gartens auf, die jedoch zunächst nicht verfolgt werden konnten. Die finanzielle Lage hatte sich wieder verschlimmert und eine Verbesserung war nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil! Es stand ein Krieg bevor, zu dem sich viele Männer als Freiwillige meldeten. Doch nicht nur das Personal wurde knapp, auch Rohstoffe und Lebensmittel waren immer schwerer zu bekommen.

Trotz äußerster Sparsamkeit und ehrenamtlicher Arbeit - vor allem durch die Mitglieder der Zoologischen Gesellschaft - konnten die durch den Ersten Weltkrieg verschärften finanziellen Probleme nicht mehr gemeistert werden. Am 25. Januar 1915 bat die Zoologische Gesellschaft die Stadtverwaltung, den Zoologischen Garten zu übernehmen, um ihn für die Bevölkerung zu erhalten. Bereits in den Vorjahren hatte die Stadtverwaltung mehrfach der Zoologischen Gesellschaft zur Erhaltung des Zoologischen Gartens finanziell beigestanden und war dadurch zur eigentlichen Inhaberin von Grundstück und beweglichem Vermögen geworden. Nach kurzer Prüfung beschloss die Stadtverordnetenversammlung auf Vorlage eines entsprechenden Magistratsvortrages am 15. Juni 1915, den Zoologischen Garten als städtische Einrichtung zu übernehmen. Die Zoologische Gesellschaft wurde als logische Konsequenz offiziell aufgelöst.

Schädlingsabteilung, Foto 1922

Die Änderung der Betriebsform änderte nichts an der dramatischen Lage des Zoologischen Gartens: Viele Tierpfleger meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst, als Folge des Ersten Weltkrieges herrschte Material- und Nahrungsmittelknappheit, die noch lange nach dem Krieg fortbestanden. Doch den Verantwortlichen gelang es immer, den Besuchern besonderes zu bieten und der Verantwortung als Bildungsstätte gerecht zu werden. So wurde eine Schädlingsausstellung mit täglicher Schädlingsberatung der Insektenschau angegliedert. Kleintier- und Hühnerzuchtanlagen entstanden, die sowohl der Bildung als auch der Selbstversorgung dienten. Die Blumenbeete wichen Äckern zum Anbau von Gemüse und Futterpflanzen. Trotz all dieser Maßnahmen konnte nicht verhindert werden, dass bis 1918 zwei Drittel des ursprünglichen Tierbestandes an Hunger und Infektionskrankheiten starben.

 

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de