Modernisierung und Zerstörung

Brunnenkur im Zoo, Zeichnung des Karikaturisten Lino Salini

Erst als sich 1924 die Lage in Deutschland stabilisierte, konnte auch im Zoologischen Garten ein Neuanfang in Angriff genommen werden. Der Einstellungsvertrag mit einem Tierhändler führte dazu, dass wieder attraktive Tiere gezeigt werden konnten. Die Konzerte und Sonderveranstaltungen lebten neu auf. Um diese besser zu bewerben wurde eine monatliche Zoozeitung herausgegeben, die mit zwei Unterbrechungen und Namensänderungen bis 1941 beibehalten werden konnte. Ab 1926 gab es Brunnenkuren, bei denen 40 Heilwässer zur Auswahl standen. 1927 kam noch eine Milchkur hinzu.

In dieser Zeit änderten sich die Ziele des Zoologischen Gartens: Neben der Erholung und der naturkundlichen Bildung kamen jetzt verstärkt der Naturschutz und die Erhaltung bedrohter Tierarten als wichtige Aufgaben hinzu. Dies zeigte sich in der Auswahl der gehalten Tierarten und dem Bestreben, wieder interessante Zuchtgruppen aufzubauen, die in möglichst naturnahen und entsprechend den Bedürfnissen der Tiere eingerichteten Gehegen untergebracht wurden. In diesen Zusammenhang sind die bereits erwähnten Sprechstunden von Gustav Lederer in der Schädlingsabteilung des Insektenhauses zu sehen. Ein wichtiges Medium der Besucherbildung war die monatlich erscheinende Zoozeitung. In fast jeder Ausgabe finden sich entsprechende Artikel. Besondere Beachtung in diesem Zusammenhang verdient das Bemühen des Frankfurter Zoodirektors Dr. Kurt Priemel, um die Erhaltung des Wisents. Er gründete die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ und initiierte damit die erste internationale Zusammenarbeit Zoologischer Gärten für im Freiland bedrohte Tiere.

Die neuen Ziele der Zootierhaltung ließen die engen Verhältnisse noch augenscheinlicher werden. Zwar konnten ab Mitte der 1920er Jahren etliche Tierhäuser renoviert werden, einige nicht mehr zeitgemäße Tieranlagen wie die Papageienallee wurden aufgegeben. Ein grundlegender Umbau entsprechend den neuen Zoostandards – Freisichtanlagen statt Käfigen – und den neuen Zielen blieb jedoch aus, weil aufgrund der räumlichen Enge die Diskussionen um eine Verlagerung des Zoologischen Gartens an den Stadtrand erneut aufflammten. Solange darüber keine Entscheidung getroffen war, durften lediglich die notwendigsten Erhaltungsmaßnahmen angegangen werden. Diese Abwartehaltung, so vernünftig sie in finanzieller Hinsicht auch war, behinderte den Zoologischen Garten in seiner Entwicklung. Das führte dazu, dass er im internationalen Vergleich immer weiter abfiel. Für die Zeit zwischen 1929 und 1936 liegen Fotos vor. 

Erst als Oberbürgermeister Dr. Krebs entgegen den Ratschlägen der Experten Anfang 1937 entschied, dass der Zoologische Garten an seinem Standort verbleiben und innerhalb von drei Jahren grundlegend saniert werden sollte, konnten größere Umgestaltungsmaßnahmen beginnen. Noch im selben Jahr begannen Renovierungsarbeiten im Einhuferhaus, dem Vogelhaus, im Rundbau und in den Innenräumen des Raubtierhauses, wobei es nicht zuletzt darum ging, den gehaltenen Tieren mehr Platz zu verschaffen. Die Elefanten erhielten eine neue Freianlage, die 1938 fertig gestellt werden konnten. Ebenfalls 1938 erfolgten Umbauten in der Greifvogelanlage. 1939 entstand die Robbenanlage mit einem 30 Meter langem Haupt- und zwei kleineren Seitenbecken. Die alte Robbenanlage hatte nur einen Durchmesser von 10 Metern besessen. Deutlich wird das Bestreben, den Tieren mehr Platz zu bieten, auch am Beispiel der Hirschanlage, nach dessen Renovierung statt zwölf schmaler Einzelgehege vier Einzelgehege zur Verfügung standen und der breite Graben durch einen Halbgraben mit einem einen Meter hohen Zaun ersetzt wurde. Auch einige Fotos dieser neu entstandenen Bauten gibt es.

Zoodirektor Dr. Georg Steinbachers  zoologischer Schwerpunkt lag im Bereich Vögel, daher legte er sein Hauptaugenmerk auf Änderungen in der Vogelhaltung. Die Vögel sollten so präsentiert werden, dass sie durch ihre Farbenpracht die Besucher fesselten, was voraussetzte, dass die Vögel ständig gut zu sehen waren. Um das zu ermöglichen ließ er Pflanzen und ähnliche Käfigeinrichtungen entfernen, was zugleich die Arbeit in den Vogelkäfigen erleichterte.

 

Bombenschäden an der Reptilienhalle, Foto von 1944

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges verlangsamte die Neuentwicklung. Fast alle männlichen Zooangestellten wurden eingezogen, selbst Zoodirektor Dr. Steinbacher musste an die Front. 1943 begann die Bombardierung Frankfurts. Die in Zoonähe wohnenden Tierpfleger eilten bei Bombenalarm in den Zoo, um sich im Bedarfsfall sofort um die Tiere kümmern zu können. Ein kleiner Bunker am Weiher bot ihnen Schutz. Die ersten Bomben trafen den Zoologischen Garten am 4./5. Oktober sowie am 20./21. Dezember 1943, durch die Anwesenheit der Tierpfleger konnten die Brände gelöscht, verstört herumirrende Tiere eingefangen und beruhigt werden. 

Im März 1944 traf den Zoo der vernichtende Schlag: 27 Bombeneinschläge zerstörten fast alle Bauten; unzählige Tiere starben oder irrten durch die Stadt – darunter auch Löwen, die zur Sicherheit der Bevölkerung getötet werden mussten. Der Zoo wurde jedoch nicht geschlossen und bereits im Juli 1944 waren die Kassen wieder besetzt.

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de