Wie Phönix aus der Asche

Die komplette Stadt sah ähnlich aus wie der Zoo auf diesem Foto, Foto vom 1945

Mit der Wiedereröffnung war die erste Hürde genommen, doch vor den Zoomitarbeitern lag noch viel Arbeit. Nicht nur die Trümmer waren wegzuräumen; spätestens bis zum Winter mussten die Gebäude so weit wiederhergestellt sein, dass sie den Tieren eine sichere Unterkunft boten, für andere mussten Notstallungen aufgebaut werden – und zwar allein aus den Trümmern. Der Zoologische Garten Frankfurt entstand wortwörtlich aus Trümmern neu und war der erste trümmerfreie Ort Frankfurts.

Doch auch für die Bedürfnisse der Besucher musste dringend gesorgt werden, so gab es anfangs nicht einmal eine Toilette. Ein Restaurant konnte relativ kurzfristig im Keller des Zoogesellschaftshauses eingerichtet werden. Dort entstand auch ein Saal als Flüchtlingsaufenthaltsort. Für die Schaffung derartiger Einrichtungen konnten Baumaterialien bezogen werden.

Werbetafeln im gesamten Stadtgebiet informieren über Neuigkeiten aus dem Zoo, Foto von 1946

Weil Grzimek bewusst war, dass es nicht möglich sein würde, mit den wenigen überlebenden Tieren das Interesse der Besucher am Zoo wach zu halten, suchte er nach weiteren Angeboten. Als er von Schaustellern, die ihre Geschäfte noch besaßen, erfuhr, versammelte er diese auf dem Gelände, das sich dem Zoo anschloss und fast völlig zerstört war. Die zwischen diesem und dem bisherigen Zoogelände verlaufende Straße ließ er ohne Genehmigung sperren, so dass Besucher des Rummelplatzes zunächst gegen Zahlung des Eintritts den Zoo besuchen mussten. Auch einen Zirkus, eine Veranstaltungshalle, das erste Nachkriegskino und ein Theater siedelte er auf dem Zoogelände an. 

Mit Genehmigung der amtlichen Stellen konnten überlebende Zoo- und Zirkustiere aus allen Teilen Deutschlands in den Zoo geholt werden. Einziges Problem: Grzimek bekam dafür weder Fahrzeuge noch Benzinzuteilungen, so dass für jeden Tiertransport Mitfahrgelegenheiten zu suchen waren. Doch das waren bei weitem nicht die einzigen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit: Trümmer bildeten lange Zeit das einzige verfügbare Baumaterial. Ein weiteres Problem war das fehlende Geld, öffentliche Mittel konnte der Zoo Frankfurt nicht erhalten, zu sehr litt die Bevölkerung unter den Kriegsfolgen. Trotz dieser Einschränkung konnten dank vieler Spenden und dem tatkräftigen Einsatz der Zoofreunde bis zur Währungsreform 26 Gehege und Tierhäuser wieder in Betrieb genommen werden.

Die Bedeutung des Zoologischen Gartens für die neu entstehende Stadt muss unbeschreiblich groß gewesen sein. In vielen Sitzungen beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung mit seinem Wiederaufbau. Bereits 1946 entstanden erste Vergrößerungspläne, selbst die Diskussion um eine Zooverlegung flammte neu auf. Zunächst war geplant, den Zoo bis zur Wittelsbacherallee, dem Alleenring und der Rhönstraße zu vergrößern. Letztendlich gelang es jedoch nur, den Zoo um die rund drei Hektar große Fläche zu erweitern, die Grzimek direkt nach dem Krieg durch die eigenmächtige Straßenschließung dem Zoo zugeschlagen hatte. 1947 sprach der Regierungspräsident dem Zoo ein weiteres Grundstück außerhalb des ursprünglich vorgesehenen Erweiterungsgeländes zu, auf dem sich seither der Wirtschaftshof befindet.

Richtig Fahrt nahm der Wiederaufbau nach der Währungsreform auf. Jetzt entstand eine Reihe von wirklichen Neubauten, bei denen neue Erkenntnisse umgesetzt werden konnten. Das betraf vor allem die Gesunderhaltung der gezeigten Tierarten – viele Krankheitserreger und Parasiten waren längst bekannt, wenn es auch noch keine Gegenmittel gab, so konnte man sie doch durch äußerste Hygiene eindämmen. Stahl, Fliesen, Beton boten dafür die besten Voraussetzungen. 

Autogrammkarte von Prof. Dr. Dr. Bernhard Grzimek, 1974

Sobald Reisen und damit Tiertransporte wieder möglich waren, kehrten auch die Tierhändler mit ihren Angeboten zurück, was die Tierbeschaffung erleichterte. Von seiner Afrika-Reise 1954 brachte Grzimek neben vielen anderen Tieren das erste Okapi EPULU nach Deutschland, dem 1958 als Geschenk zum 100-jährigen Bestehen das Okapi-Weibchen SAFARI folgte. Nur ein Jahr später wurde das erste Jungtier geboren, dem noch viele weitere folgten. Züchtungen und das Präsentieren möglichst vieler Tierarten prägten die Folgejahre. Schilder informierten, ob eine Tierart erstmals gezeigt wurde bzw. bei Nachzuchten, ob es sich um Erst- oder gar Welterstzuchten handelte. Als geschickter Werbemann und Verfasser zahlreicher journalistischer Aufsätze verstand es Grzimek hervorragend, das Interesse der Presse und ihrer Leserschaft zu wecken und wach zu halten. 

Die Verbreitung des Fernsehens und vor allem Grzimeks Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ brachten wilde Tiere ins Wohnzimmer und sensibilisierten die Massen für die Bedürfnisse der Tiere. Jetzt, wo die Menschen andere Möglichkeiten hatten, unterschiedliche Tierarten kennen zu lernen, mussten Zoologische Gärten den Besuchern endgültig keine Tiersammlungen mehr bieten. Im Gegenteil erwarteten die Zoobesucher, dass die Tiere wie in der Natur leben. Wieder begann eine neue Ära für Zoologische Gärten.

Verbesserte Forschungsmöglichkeiten brachten immer mehr Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Tiere und die komplexen Zusammenhänge in der Natur. Unter anderem zeigte sich, dass der Platzbedarf bei manchen Tierarten unterschätzt worden war. Das stellte den Zoo Frankfurt vor neue Probleme – an seinem bestehenden Standort gab es keinerlei Ausbaumöglichkeiten mehr. Die Reduzierung der Bestandzahlen genügte nicht, der Bau einer Zoodependance sollte das Problem lösen.

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de