Unterhaltung und Bildung für Zoobesucher

Dr. David F. Weinland
Deckblatt des ersten Zooführers von 1860

Mehr oder weniger exotische Tiere und der Betrieb eines Zoorestaurants reichten oft nicht aus, um das Interesse der Besucher wach zu halten. Deshalb wurden immer wieder auch Konzerte angeboten. Jedes Jahr am 8. August fand zur Erinnerung an die Zoo-Eröffnung ein Doppelkonzert statt. Außerdem sollte der Zoologische Garten neben Erholung auch Bildung bieten, wie der Denkschrift zur Zoogründung entnommen werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen stellte die Zoologische Gesellschaft einen wissenschaftlichen Sekretär, Herrn Dr. David F. Weinland, ein. Dr. Weinland hielt Vorträge, schrieb die Zooführer und initiierte die Herausgabe der Zeitschrift „Der Zoologische Garten“, deren Schriftleitung er bis zu seinem Abschied vom Zoologischen Garten 1863 übernahm. Zudem baute er eine Fachbibliothek auf. 

 

Ab 1875 unterhielt der Zoologische Garten eine eigene Kapelle, die zweimal täglich auftrat und außerdem bei Festbanketten spielte. Zusätzliche Musiker und externe Kapellen ergänzten das musikalische Angebot. So zählten nicht nur Tier- sondern auch Musikfreunde zu den Stammbesuchern des Zoologischen Gartens. 1909 erfolgte die Auflösung der Zookapelle, weil die täglichen Konzerte immer weniger Besucher lockten, während Sonderkonzerte gut besucht waren. Auch nach der Auflösung der Zookapelle fanden fast täglich Konzerte statt. Als es ab 1924 insgesamt wieder aufwärts ging, galt das auch für die kulturellen Veranstaltungen im Zoologischen Garten. 

 

 

Insektenabteilung, Foto von 1924

Um die Besucher über die Konzerte, Sonderveranstaltungen und allgemeine Neuerungen zu informieren erschien – mit Unterbrechungen und unter drei verschiedenen Namen – eine monatliche Zoozeitung, die daneben auch populärwissenschaftliche Artikel enthielt. So nutzte unter anderem Gustav Lederer dieses Medium, um Vorurteilen gegenüber Schlangen entgegenzutreten. In vielen Artikeln brachte er den Lesern die Bewohner des Aquariums näher, informierte jedoch auch über Schädlinge und deren Bekämpfung. Außerdem zählte er zu den Initiatoren der Schädlingsabteilung, die der Insektenausstellung angegliedert war, und gab in täglichen Sprechstunden individuelle Ratschläge zur Schädlingsbekämpfung. Als weiteres Bildungsmittel diente schon früh die Beschilderung und auch die Auswahl der gezeigten Tiere unterstand zumindest dem Ziel, die Besucher zu bilden.

 

Ankündigung einer Singhalesen-Schau von 1884

Die Grenzen zwischen Bildung und Vergnügen waren oft fließend, was sicherlich insbesondere für die zwischen 1878 und 1931 immer wieder im Zoologischen Garten Frankfurt gastierenden „Völkerschauen“ galt. In vielen Fällen handelte es sich um Wandervölker, die in einem kleinem Wäldchen in der Nähe der Zooterrassen ihre Unterkünfte aufbauten, die gegen Zahlung eines zusätzlichen Eintritts zu festgelegten Zeiten besucht werden konnten. Vorführungen von Tänzen, handwerklichen Arbeiten etc. rundeten das Angebot ab.

 

 

 

 

Werbeplakat für einen Ballonaufstieg von 1894
Karikatur über Kuren im Zoo, 1927

Um reine Vergnügungsangebote ohne Bildungsanspruch handelte es sich bei den häufigen Ballonaufstiegen mit und ohne Fallschirmabsprüngen, Auftritten von Artisten und Tierdressuren. Hinzu kamen Sommerfeste, Bürgerbälle, Ausstellungen und winterliches Eislaufen auf dem zugefrorenen Zooweiher. 1926/27 diente der Zoologische Garten seinen Besuchern auf Wunsch sogar als Kurort, immerhin 40 Heilwässer und eine Milchkurabteilung standen zur Auswahl. 

Ab 1910 wurde bei Veranstaltungen auch auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen, so gab es eigens für diese ab 1912 in den Konzertpausen Kindermärchen in Lichtbildern und in den 30er Jahren fanden erste Kinderfeste statt. Die 1925 eingerichtete Kultur-Lichtspiel-Bühne richtete sich jedoch vorrangig an Erwachsene und diente der Bildung.

Besonderes Augenmerk wurde schon immer auf die Bildung von Schulkindern gerichtet, wobei sich das anfangs auf kostenlosen, später ermäßigten Eintritt beschränkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg initiierte Grzimek die Zooschule mit speziellen Angeboten für Schulklassen. Aus der Zooschule wurde später die Pädagogische Abteilung, die bis heute nichts von ihrer Attraktivität verloren hat.

Doch nicht nur in der Bildung von Schulkindern setzte Prof. Dr. Dr. Bernhard Grzimek neue Maßstäbe: Da nur wenige Tiere den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten und die Tierbeschaffung schwierig war, andererseits die Menschen nach all den Schrecken Ablenkung suchten, spielte der Bereich „Besucherunterhaltung“ in den Wiederaufbaujahren eine maßgebliche Rolle. Es gelang Grzimek, Schausteller auf dem Zoogelände zu versammeln, so stand zum Beispiel die einzige noch vorhandene Achterbahn Deutschlands hinter dem Zoogesellschaftshaus. Die meisten Vergnügungsstätten befanden sich jedoch auf dem Gelände hinter dem Menschenaffenhaus, das damals noch nicht zum Zoo gehörte. Grzimek hatte die dazwischen liegende Straße eigenmächtig sperren lassen, so dass der Rummelpatz nur über das Gelände des Zoos betreten werden konnte. 

 

Der ebenfalls für einige Jahre im Zoo beheimatete Zirkus Hoppe bot nicht nur Unterhaltung, seine Tiere bevölkerten die zunächst noch wenig besetzten Gehege. Erste Sportveranstaltungen und Treffen politischer Parteien fanden ebenfalls im Zirkuszelt statt.

 

Franz-Althoff-Bau, Foto von 1948

Im Keller des Gesellschaftshauses konnten zwei Räume für eine Nutzung hergerichtet werden. Der eine diente als Restaurant, der andere hatte verschiedene Funktionen. Offiziell handelte es sich um einen Aufenthaltsraum für Flüchtlinge, wofür er jedoch nur selten benötigt wurde, so dass er für Tanzveranstaltungen und als Kino genutzt werden konnte. 1946 nahm das „Kleine Theater im Zoo“, das spätere Fritz-Rémond-Theater, seinen Betrieb auf, dessen Räumlichkeiten übergangsweise ebenfalls für Filmvorführungen zur Verfügung standen. Noch vor der Währungsreform wurde eine Veranstaltungshalle für 3.000 Besucher, der Franz-Althoff-Bau, errichtet, in der Operetten, Revuen, Ballettabende, Theatervorführungen und Konzerte genauso stattfanden wie Tanzvergnügungen, Rundfunk-Aufnahmen und Sportveranstaltungen.  

Auch außerhalb dieser Einrichtungen gastierten verschiedene Künstler und Tiertrainer. Ponyreiten, Eislaufen auf dem zugefrorenen Zooweiher, Weihnachtsmärkte, Sommerfeste mit Feuerwerk, Kinderfeste, Faschingstrubel, Hausfrauennachmittage, Modeschauen, Foto- und andere Wettbewerbe – es gab wohl kaum eine Veranstaltungsart, die nicht auch im Frankfurter Zoo angeboten wurde. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens 1958 fand noch einmal ein Ballonaufstieg statt.

Mit dem Wiederaufbau anderer Vergnügungsstätten ging der Zulauf im Zoo naturgemäß im Laufe der Zeit zurück, doch bis heute locken Sonderveranstaltungen - und hier insbesondere die Feste - zahlreiche zusätzliche Besucher in den Zoo. 

Auch die Besucherbildung erlebte in den Nachkriegsjahren neuen Schwung: Ab 1948 fanden monatliche Vorträge zu zoologischen Themen statt, die durch einen Stammtisch in den vortragsfreien Zeiten ergänzt wurden. Aus diesen Treffen entstand die „Gesellschaft der Freunde des Zoologischen Gartens e.V.“, die 1958 in „Zoologische Gesellschaft von 1858 e.V.“ umbenannt wurde. 

Seit Anfang der 70er Jahre finden regelmäßige Zooführungen statt. Anfangs gab es dieses Angebot jeden Monat an einem Samstag, bevor es der Sonntag wurde. 2003 erfolgte zunächst probeweise eine Ausdehnung des Besucherangebotes: Das Exotarium blieb im Winter jeden Donnerstag nach der Zooschließung geöffnet und bot eine Abendführung. Im Sommer 2004 wurde die Abendöffnung auf Freitag verlegt und auf das gesamte Zoogelände ausgedehnt. Mit Ausnahme des letzten Freitags eines jeden Monats, der den Kindern gewidmet wurde, fanden Führungen statt. Dieses Angebot fand keinen ausreichenden Zuspruch, während die seit Sommer 2005 an jedem letzten Freitag eines Monats angebotenen Abendführungen gut angenommen werden. Auch die Abendöffnung des Exotariums mit Führungen wurde auf den Freitag verlegt und findet seither jeden Winter statt. Zusätzlich gibt es während des Winterhalbjahres jeden Monat eine Sonntagsführung durch das Exotarium. 

Um Zoobesuchern den Naturschutzgedanken näher zu bringen arbeiten Zoologische Gesellschaft Frankfurt und der Zoologische Garten Frankfurt eng zusammen. An verschiedenen Stationen sowie dem Grzimek-Camp können sich Interessierte interaktiv bilden. Und seit Juli 2006 sind zusätzlich an besucherstarken Tagen Naturschutz-Botschafter im Zoologischen Garten Frankfurt unterwegs. Mit dem zebragestreiften Infomobil sowie vielfältigen Anschauungsobjekten, Spielen und Experimenten vermitteln die Ehrenamtlichen faszinierende Einblicke in die Vielfalt des Lebens und in das Abenteuer Naturschutz.

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de