Abschied von den Turen im Zoo Frankfurt
Die Haltung von Turen aufzugeben, war nicht geplant. Eine Infektion mit der heimtückischen Paratuberkulose hat dem Zoo Frankfurt jedoch eine andere Entscheidung aufgezwungen. Der Erreger, Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis, ist weltweit verbreitet und infiziert vorwiegend Hauswiederkäuer wie Rinder aber auch Giraffen, Antilopen und Gazellen. Er verursacht eine chronische Darmentzündung mit Abmagerung und Durchfällen, die zum Tod der Tiere führt. Eine wirksame Schutzimpfung gibt es ebenso wenig wie medikamentöse Behandlungen, die zur Heilung der betroffenen Tiere führen.
Um solche Infektionen zu verhindern, durchlaufen Tiere, die – etwa im Rahmen von Zuchtprogrammen – unter den Zoos getauscht werden, strenge Transportuntersuchungen. Außerdem befindet sich im Frankfurter Zoo eine der modernsten Quarantänestationen Deutschlands. Mykobakterien-Infektionen nachzuweisen ist jedoch außergewöhnlich schwierig. Auch Seuchenprävention auf höchstem Niveau bietet in ihrem Fall leider keine hundertprozentige Sicherheit. So wurde trotz aller Vorsicht bei einer der regelmäßigen Untersuchungen der Erreger in der Frankfurter Tur-Gruppe entdeckt.
Der Zoo musste seiner Verantwortung für seine Tiere daher in zweierlei Hinsicht gerecht werden. Zum einen gilt es mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Erreger auf andere Wiederkäuer im Zoo übergreift. Davon wären dann weitere hochbedrohte Arten wie Addax, Mhorrgazellen, Okapis und einige mehr betroffen. Zum anderen ging es im vorliegenden Fall darum, jedem einzelnen der Ture unausweichliches Leid zu ersparen.
Klar ist, dass die kontaminierte Anlage auf absehbare Zeit nicht mit Wiederkäuern besetzt werden kann. Sie wird zunächst hygienisch saniert und kann erst wieder genutzt werden, wenn der Erreger nicht mehr nachweisbar ist. Die eingeschläferten Ture wurden zur weiterführenden Untersuchung an Labore übergeben.