Führung durch den ersten Zoo

Auszug aus der Leipziger Illustrierten Zeitung vom 27.04.1861 und dem ersten Zooführer (erschienen 1860)

 

Greifvogelhaus

 

„Es geht weiter zu einem wohl einige hundert Fuß langen, vollkommen durchsichtigen Drahthaus, das, in viele Abteilungen geteilt, mit einem haushohen Zentralkäfig in der Mitte und zwei kaum weniger großen auf den Ecken, das edle Geschlecht der Tagräuber unter den Vögeln enthält. Es ist die sogenannte Adler-Galerie, an der nur die hintere Wand aus hübsch durchbrochenen Brettern, alles andere aus Draht gefertigt ist. Hier finden wir Gänsegeier, Ohrengeier, den prächtig gefärbten Königsgeier, den Gaukler, den Weißkopf-Seeadler, verschiedene europäische Adler-Arten, aber auch Milan, Bussard, Habicht und weitere einheimische Greifvögel.“

 

Meerschweinchenburg

 

„Nun kommen wir zum Bennett-Känguru und etwas weiter rechts einem hübschen Türmchen, verkleinert eine mittelalterliche Burgruine nachahmend, mit den durch ihre zahllose Vermehrung berühmten südamerikanischen Nagern, den Meerschweinchen, die auch den Winter in diesem Häuschen ausgehalten haben.“

 

Affen- und Vogelhaus

 

„Jetzt stehen wir vor einem, mit durchbrochenen Holzwerk verzierten, luftigen Haus; es ist das Affen- und Vogelhaus. Vor uns ein großer Pavillon, in der Mitte des Hauses, in welchem sich die kleinen und gemeineren Affen tummeln und vor dem sich stets eine größere Menschenmenge freut.“

„Sodann treten wir ein in die Flügel. Da zwitschern und kreischen uns Tropenvögel aller Art und Farben entgegen. Mit Vergnügen finden wir hier auch einige Europäer ... - ... Auch viele Reptilien sind hier in Käfigen ausgestellt. Werfen wir noch einen Blick in das Innere des Affenhauses – der Mittelteil des ehemaligen Gewächshauses -, so fällt uns hier unter den Dutzenden von Affen aus Asien, Afrika und Amerika zuerst ein silbergrauer Mantelpavian auf, ferner Drills, rote Husarenaffen, Schweinsaffen mit nach Schweinemanier gedrehten Schwänzen, Hutaffen und endlich die gutmütigen, fast melancholisch seufzenden Kapuzineraffen.“

 

Straußenhaus

 

 „... stehen wir wieder vor einem größeren, nach der Manier des Affenhauses verzierten achteckigen Haus, in welchem wir oben und unten Zellen finden. Es ist das Straußenhaus, und für die verschiedenen Straußenarten sind die Parterrezellen, die oberen für die tropischen Raubvögel. In der Mitte steht ein Ofen zur Heizung.“

 

 

Kasuar

 

Kasuar oder Indischer Strauß (Casuarius inidcus). Bis 6 Fuß hoch, aber stämmiger als der Nandu. Schwarz; der Hals himmelblau, mit roten Kehllappen. Ein horniger Helm auf dem Scheitel. Seine Federn haben wie bei dem Emu doppelte Schäfte. Ostindien und seine Inseln. Man hat neuerdings eine zweite ihm verwandte Art, den Mooruck (Casuarius Bennetti) in Neubritannien entdeckt.

 

 

Eulenburg

 

„… die in fünf Gelassen beinahe alle deutschen Eulengattungen enthält, von dem mächtigen Uhu, der junge Rehe erwürgt und in seinen Fängen wegschleppt, bis zu dem kleinem Käuzchen, das mit Not eine Maus meistert.“

 

 

Kuhantilope

 

„… Die Kuh hat am 5. Juni d.J. ein Kalb geworfen, das schon am ersten Tage mit ihr in den Park herum lief, und bis jetzt recht gesund ist. Dies ist ein für die Zoologischen Gärten Deutschlands einzig bestehendes Ereignis; und auch im übrigen Europa ist es unseres Wissens erst zweimal geglückt, Nachkommenschaft von A. Bubalis zu erzielen, nämlich im Park des Fürsten Demidoff in St. Donato bei Florenz und in der Knoswley Menagerie des Earls von Derby in England …“

 

Bärenzwinger

 

„Warnung: Man trete diesen beiden Tieren nicht zu nahe!

Eisbär (Ursus maritimus). Das furchtbare Raubtier des Nordens, der ‚Herrscher am Pol’. Bis acht Fuß lang! …

Brauner Bär (Ursus arctos). Von einem prachtvollen Pärchen, das wir seit Gründung des Gartens besaßen, ist nur noch das Weibchen, die beim Publikum wohlbekannte ‚Katharine’ übrig. Das alte Männchen ist leider letzten Winter mit Tod abgegangen …“

 

Das Seehundbassin

 

„Gemeiner Seehund, Robbe (Phoca vitulina). Gelblichgrau, bräunlich gefleckt. Bis 4 Fuß lang. Im Mittelmeer und in den norddeutschen Meeren bis zum Eismeer hinauf; überall gemein. Unser Exemplar kommt von Hamburg …“

 

Der Weiher

 

„Obgleich erst vor drei Jahren mitten im Gartenland ausgegraben, hat dieser Teich doch auch in den letzten trockenen Sommern immer hinreichend Wasser gehabt. Um ihn und auf ihm versammelt sich ein Heer der verschiedenen Schwimmvögel. Auch einige Stelzvögel schreiten dem Ufer entlang.“

 

Maurisches Haus

 

Ein hübscher, solider Neubau, von Hrn. Baumeister Renck ausgeführt und zur Aufnahme größerer in Aussicht stehender Tiere sowie zur Überwinterung der Antilopen bestimmt. Zugleich wird in diesem Hause in der Mitte ein großer Zuschauerraum hergestellt, der neben dem Gartensaal und den Restaurationsgebäuden bei schnell eintretender ungünstiger Witterung als Zufluchtsort nützlich werden kann. Oben sind einige Zimmer für den Verwaltungsrath ec.

 

Zoo Frankfurt – Bernhard-Grzimek-Allee 1 – 60316 Frankfurt am Main Info-Line: +49 (0)69 - 212 337 35 - info.zoo@@stadt-frankfurt.de